ELB – Peter Erskine / Nguyên Lê / Michel Benita

Mi., 11. Juni 2008
19:30

Vor fast acht Jahren fand sich ein transkontinentales Trio zusammen, dessen Mitglieder in selten gehörter Freiheit und Gleichberechtigung die ganz unterschiedlichen Färbungen und Traditionen ihrer jeweiligen musikalischen Herkunft bündelten. Das Ergebnis auf ihrer ersten CD E_L_B von 2001 war mitreißend, und nun haben die drei zu den interessantesten der aktuellen Jazzwelt zählenden Musikern endlich wieder zueinander gefunden.

Der 54-jährige amerikanische Schlagzeuger und Percussionist Peter Erskine darf seit seiner Entdeckung durch den Bigband-Revolutionär Stan Kenton als einer der profiliertesten und zugleich stiloffensten Drummer im Jazz gelten. In der Jazzrock-Ära wurde er an den Stöcken der Band „Weather Report“ sozusagen mit Wucht weltberühmt. Der gleichaltrige Bassist Michel Benita, in Algier geboren und aufgewachsen, wurde nach seinem Umzug nach Paris rasch – unter anderem im Orchestre National de Jazz – zur festen Größe der europäischen Szene. Der vietnamesisch-stämmige, aber in Paris geborene Gitarrist Nguyên Lê schließlich ist früh eine der Schlüsselfiguren der europäischen Jazzszene wie auch der Weltmusik geworden. Wie weit sein Horizont ist, sieht man an seiner gleich wägenden Bewunderung für die Musik seines Herkunftslandes wie für Jazzgitarristen oder für Jimi Hendrix. Daraus entwickelte er einen unverwechselbaren, die Traditionen nahezu aller Kontinente verwebenden Stil.

Es Spielen: Peter Erskine (d), Nguyên Lê (g), Michel Benita (b)

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JAZZ im Palmengarten V – Jazzpool NRW "Mingus Moves"

Do., 30. August 2007
19:30

Donnerstag, 30. August | 19.30 Uhr
Jazzpool NRW „Mingus Moves“

Jazzpool NRW

Der Komponist, Bassist und Bandleader Charles Mingus hat einen bleibend faszinierenden Weg gefunden, bei steter Verwurzelung in der großen Tradition des Jazz, doch ständig nah am Puls der Zeit zu sein. Bebop und – mehr als bei seinen Zeitgenossen – auch Swing werden in der Entwicklung vieler Stücke so montiert, dass ihre improvisatorischen Möglichkeiten schnell in den Free Jazz der 60er Jahe mündeten. Prägend für
sein ganzes Wirken ist Mingus’ große Achtung für Duke Ellington. Ohne die Originalität von Mingus Kompositionen zu schmälern, muss ihr Entstehen immer im Kontext mit der Musik Ellingtons gesehen werden. Geht man einen Schritt weiter, so wird schnell die bluesnahe Ästhetik beider Künstler deutlich. Mingus’ Musik
ist für Jamsessions kaum zu gebrauchen. Vielleicht ist er deshalb nicht so präsent wie Thelonious Monk oder Wayne Shorter. Da in ihr aber so viel komprimierte Jazz Ästhetik steckt, scheint die Annäherung an Charles Mingus tatsächlich ein angemessenes Projekt für den Jazzpool NRW, jenes herausragend besetzte Vor-zeigeensemble um Schlagzeuger Peter Weiss und den Saxophonisten Wolfgang Schmidtke, zu sein.

Über die „Mingus Moves“-Premiere im Wuppertaler Schauspielhaus schrieb die WAZ: „Das Spiel war unglaublich expressiv. Neben einem kongenialen Zusammenspiel im Tutti und bei den Themenvorstellungen waren es gerade die Soli, die wohl im Sinn von Mingus waren: Schnell wurden Formen und Vorgaben verlassen Richtung freien Improvisationen. Sie sprühten vor feurigem Schwung und großer emotionaler Tiefe. Dieses Highlight kam natürlich unglaublich gut an und wurde von enthusiastischem Beifall begleitet“.

Es spielen: Stefan Meinberg (tr) | Matthias Muche (tb) | Gerd Dudek (ts, fl)
Wolfgang Schmidtke (sopr-s, b-cl, ts) | Achim Kaufmann (p) | Christian Ramond (b) | Peter Weiss (dr)

Vvk und Abendkasse: an der Kasse Siesmayerstraße 63
Eintritt: 8,– €, ermäßigt: 4,– € zzgl. Vvk-Gebühr
JIF-Mitglieder: frei (Bitte JIF-Mitgliedskarte vorzeigen!)

JAZZ im Palmengarten IV – Miroslav Vitous – Franco Ambrosetti – Duo

Do., 16. August 2007
19:30

Donnerstag, 16. August | 19.30 Uhr
Miroslav Vitous – Franco Ambrosetti – Duo

AmbrossettiVitous

Das Duo Miroslav Vitous – Franco Ambrosetti ist als Weiterentwicklung dessen zu sehen, was einst Fusion und New Jazz war. Und beide Künstler, großgeworden in den 70er Jahren, sind abseitig aller Trends und Hypes stets innovativ dabei geblieben. So setzt Vitous in diesem Duo eigens dafür komponierten acoustic symphonic sound, eine ganze Bibliothek von orchestralen Klängen, ein. Und Ambrosetti versprüht auch hier sein Charisma mit viel Zauber – man erlebt intimste und innigste Momente des Spiels der beiden großartigen Musiker.

In der Musik von Miroslav Vitous, der seit Jahren zu den besten Bassisten der Welt zu zählen ist, spiegeln sich bis heute die Folkeinflüsse seiner tschechischen Heimat. Vitous, in Prag geboren, Gründungsmitglied von Weather Report, spielte mit vielen Ikonen des Jazz wie u. a. Chick Corea, Stan Getz, Miles Davis, Herbie Mann, Joe Zawinul, Wayne Shorter usw. Im August wird bei ECM eine weitere acoustic CD mit Franco Ambrosetti und Gästen aufgenommen.
Franco Ambrosetti pendelt gerne zwischen den Welten. Zwar war der Blick des Tessiners stets nach Amerika gerichtet und sein Selbstverständnis als Künstler wurzelt in der afroamerikanischen Jazztradition (was soweit geht, dass Miles Davis ihn einmal als den „einzigen weissen Trompeter, der wie ein Schwarzer spielen kann” bezeichnete). Dennoch arbeitet Ambrosetti stets, und mit immer neuen, überraschend-innovativen Projekten, auch mit europäischen Musikern.

Es spielen: Franco Ambrosetti (flh) | Miroslav Vitous (b)

Vvk und Abendkasse: an der Kasse Siesmayerstraße 63
Eintritt: 8,– €, ermäßigt: 4,– € zzgl. Vvk-Gebühr
JIF-Mitglieder: frei (Bitte JIF-Mitgliedskarte vorzeigen!)

JAZZ im Palmengarten III – John Abercrombie – Marc Copland – Quartet

Do., 2. August 2007
19:30

Donnerstag, 02. August | 19.30 Uhr
John Abercrombie – Marc Copland – Quartet

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John Abercrombie, an der Seite von Billy Cobham, der Brüder Brecker, Jack DeJohnette oder Mark Johnson und Peter Erskine einer der ganz Großen des Jazz der vergangenen dreißig Jahre, trifft im Palmengarten alte Mitstreiter: den elegant-poetischen Marc Copland, den filigran strukturierten Drew Gress und den legendären Billy Hart. Copland und Abercrombie trafen sich in den 70ern in der „loft scene“ in New York City und es bildete sich schnell eine Partner- und Freundschaft aus der zusammen mit den bekannten „New Yorkern“ dieser Jahre einige der unvergänglichen Kompositionen und Aufnahmen entstanden. Wenn auch seit den 90ern als Leader mit eigenen Projekten unterwegs so verbindet sie bis heute ein steter Wille zum Wiedertreffen und daraus resultierend ein stetes neues Ideenfinden.
Der in Deutschland vielleicht am wenigsten bekannte des exquisiten Quartetts, Bassist Drew Gress, gilt in New York als erste Wahl und ist in der Knitting Factory ebenso zu Hause wie auf großen Konzertbühnen. In ausgiebigen melodischen Soli ist er gleichermaßen als Leader zu erkennen, wie im Ensemble als reifer Teamplayer. Drew, vielfacher nationaler Kompositionspreisträger, tourt in Amerika, Europa und Asien u. a. mit Ralph Alessi, Don Byron, Ravi Coltrane, John Hollenbeck, Mat Maneri oder Simon Nabatov, ist Artist-in-Residence am St. Petersburger Konservatorium gleichermaßen wie Dozent an der University of Colorado. Und der „Guardian“ wählte prompt ein Konzert seines „Spin & Drift Quartet“ zu Londons bestem Jazz Konzert 2002.

Billy Hart bedarf wiederum kaum der Vorstellung: er spielte, dokumentiert auf über 600 Platten, während der letzten 45 Jahre u. a. in den Bands von Miles Davis, Stan Getz, Herbie Hancock, Little Richard, Wes Montgomery, Pharoah Sanders oder Jimmy Smith. Und auch in diesem Quartett wird der renommierte Drummer den Jazz von seiner ungestümen Seite zeigen, nach vielen Seiten offen, unkalkulierbar und durchaus wild.

Es spielen: John Abercrombie (g) | Marc Copland (p) | Drew Gress (b) | Billy Hart (dr)

Vvk und Abendkasse: an der Kasse Siesmayerstraße 63
Eintritt: 8,– €, ermäßigt: 4,– € zzgl. Vvk-Gebühr
JIF-Mitglieder: frei (Bitte JIF-Mitgliedskarte vorzeigen!)

JAZZ im Palmengarten II – Doppelkonzert: Michel Godard & Gavino Murgia | Martin Lejeune's The Soul Jazz Dynamiters

Mi., 18. Juli 2007
19:30

Donnerstag, 19. Juli | 19.30 Uhr
SESSION ONE: Michel Godard & Gavino Murgia
Michel Godard gehört zur angesehenen europäischen Jazzszene. Er ist nicht nur langjähriges Mitglied der Gruppe um Rabih Abou-Khalil, die Liste derer mit denen er musiziert und kooperiert ist schier endlos: Pierre Favre, Michel Portal, Louis Sclavis, Enrico Rava, Kenny Wheeler aber auch mit klassischen Orchestern wie La Fenice und dem Orchestre National de France war er unterwegs. Inspiriert von mittelalterlichen Klängen hat er die gefeierten Projekte Castel Del Monte (auf zwei CDs) und La Vergine Nera ins Leben gerufen mit denen er in Kirchen und auf Festivals gastiert. In den letzten Jahren hört man ihn zudem mit seinem Projekt Cousins Germains mit Christof Lauer, Wolfgang Puschnig, Marc Ducret, Wolfgang Reisinger, Herbert Joos sowie zusammen mit Dave Bargeron im Duo TubaTuba.

Gavino Murgia, dessen einzigartiger und akrobatischer Umgang mit der Stimme einfach fasziniert, ist nicht nur in seiner italienischen Heimat bekannt, mittlerweile konzertiert er europaweit und überall staunt man was er an Tönen hervor zu bringen vermag. Rabih Abou-Khalil schrieb seiner Stimmkunst eigens eine Komposition auf den Leib (Morton’s Foot). Murgia hat eine tiefe Verwurzelung in der eigenen sardischen Musiktradition zu der die von ihm so meisterlich ausgeübte Obertongesangstechnik gehört. Als Tenor- und Sopransaxophonist kennt und schätzt man ihn in Italien u.a. für seine Zusammenarbeit mit Paolo Fresuoder Elena Ledda – sein Spiel dürfte für das deutsche Publikum aber noch eine Entdeckung sein. Zuhause in beiden Welten, der der italienischen Folktradition wie der des Jazz, lässt er sich und seine Musikalität ebenso wenig von stilistisch gezogenen Grenzen einschränken wie Godard. Auf dieser Ebene musikalischer Freiheit treffen sich die beiden um sich mit Leichtigkeit durch Klassik, Jazz, Kirchen- und Volksmusik zu schwingen und dahin wo der Rhythmus und die Spielfreude sie treibt.

Es spielen: Michael Godard (tuba, serpent) | Gavino Murgia (saxes, voc)

SESSION TWO: Martin Lejeune’s The Soul Jazz Dynamiters
Und als gleichsam urbanen Kontrapunkt – schließlich liegt der Palmengarten mitten in einer Metropole – noch Frankfurts Ideenquell Martin Lejeune mit seinen Souljazz Dynamiters: Eigenkompositionen im charmanten Oldschool-Design, mit scharfem Blick in die Zukunft – komplettiert mit zeitgemäß renovierten Klassikern der großen Soul Jazz Ära. Vier der profiliertesten Musiker aus dem heißen deutschen Süden, die man außer mit ihren eigenen Projekten wie „bartmes“, „lejeune martin“ oder dem „European Groove Orchestra“ auch mit international bekannten Bands wie „Dephazz“, „Jon Sass‘ Sassified“ oder dem Jazzensemble des Hessischen Rundfunks hören kann. Die erste CD der Dynamiters wird in diesem Sommer erscheinen. Die Frankfurter Rundschau schrieb über den faszinierenden „Retro Groove“: „Am Anfang steht die Lust. Die Lust, sich im Funk auszutoben, ohne den Jazz verlassen zu müssen. So geht es im stilechten, schlanken, von keiner Elektronik aufgemöbelten Retrostyle auf der Zeitlinie zurück in die 60er und 70er Jahre, als das schöne Wort von den Rare Grooves noch seine Berechtigung hatte. Im Ganzen geht es also um einen Retro-Rare-Groove-Style, was sich als Musik genauso nett anhört, wie es sich als geschriebenes Wort schlecht liest. Das Leben muss so schön gewesen sein früher – denn diese Musik ist nicht nur gut, sie ist auch heiß. ,Free your mind, your ass will follow’ lautet das Motto der Soulworker. Und das ist kein leeres Versprechen.“

Es spielen: Martin Lejeune (g) | Peter Back (sax, fl) | Jo Bartmes (hammond b3) | Holger Nesweda (dr)

Vvk und Abendkasse: an der Kasse Siesmayerstraße 63
Eintritt: 8,– €, ermäßigt: 4,– € zzgl. Vvk-Gebühr
JIF-Mitglieder: frei (Bitte JIF-Mitgliedskarte vorzeigen!)

JAZZ im Palmengarten I – François Jeanneau & Uli Lenz Duo

Do., 28. Juni 2007
19:30

Donnerstag, 28. Juni | 19.30 Uhr
François Jeanneau & Uli Lenz Duo

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Dieses Duo ist einzigartig in der Musikszene: der deutsche Pianist Uli Lenz und der französische Saxophonist François Jeanneau improvisieren an der Spitze des zeitgenössischen Jazz. Die sehr eigene künstlerische Ansprache und unmittelbare Energie der beiden, lassen die Musik in Form und Struktur allein für sich stehen und über alles Weltliche erhaben strahlen. Diese Botschaft haben die Beiden 2005 nach Pakistan getragen und spielten vor großem Publikum in Lahore, Karachi und Islamabad. Ebenfalls 2005 konzertierten die beiden in Berlin – Deutschlandradio Kultur nahm dieses gefeierte Gastspiel im Jazzclub A-Trane auf.
Wer Jazzeuropas führende Saxophonisten aufzählt, muss den zur crème de la crème unter den französischen Musikern zählenden François Jeanneau nennen. Sein Spiel, ursprünglich von John Coltrane beeinflusst, zeichnet sich durch eine melodiöse, einprägsame Klarheit aus. Nicht nur als virtuoser Improvisator genießt er weltweites Ansehen, auch als Komponist mit einem Konzept, das ein weitgefächertes zeitgenössisches Umfeld widerspiegelt, beweist er hohen schöpferischen Rang. In Paris, wo er in den 60ern im legendären Saint Germain Club bei Bud Powell, Kenny Clarke, Oscar Pettiford, Eric Dolphy, Art Taylor oder Freddie Hubbard seine „Jazzschule“ besuchte, später u. a. mit dem Trio Humair-Jeanneau-Texier auch international Triumphe feierte – leitet der vielfach ausgezeichnete Janneau heute sein aus zwölf Musikern bestehendes Orchester Panthämoneum.

Uli Lenz, 1955 in Frankfurt am Main geboren, gilt als einer der eindrucksvollsten europäischen Jazzpianisten. Bereits 1988, mit Erscheinen einer Live-CD mit dem Bassisten Cecil McBee und dem Schlagzeuger Joe Chambers aus dem New Yorker Jazzclub Sweet Basil, galt Lenz als der „Rising Star“ des europäischen Jazz. Viele Größen der Szene, wie die Sängerin Abbey Lincoln oder der Miles-Davis-Saxophonist Steve Grossman arbeiten nun mit Lenz. Seit 1999 hat er einen Vertrag mit dem feinen New Yorker Jazzlabel Arkadia und befindet sich in Gesellschaft klingender Namen wie den Saxophonisten David Liebman und Benny Golson oder Pianisten wie Billy Taylor und Joanne Brackeen. Lenz’ Debütalbum „Rainmaker’s Dance“ mit 11 Eigenkompositionen wurde international als eine der besten Jazzproduktionen 2001 gefeiert.

Im Duo bringen beide Künstler gleichberechtigt ihre eigenen Kompositionen ein. Sie übersetzen und verbinden den Rhythmus und die Kraft zweier europäischer Metropolen und derer Lebensstile: Berlin und Paris, die Heimatstädte der Musiker.

Es spielen: François Jeanneau (sax) | Uli Lenz (p)

Vvk und Abendkasse: an der Kasse Siesmayerstraße 63
Eintritt: 8,– €, ermäßigt: 4,– € zzgl. Vvk-Gebühr
JIF-Mitglieder: frei (Bitte JIF-Mitgliedskarte vorzeigen!)

Werner Wunderlich zum Geburtstag: The Polish Jazz 4tet

Do., 24. August 2006
19:30

Jazz im Palmengarten, die älteste Jazz-Open-Air-Reihe der Welt, existiert seit 1959 und von Anbeginn bis ins Jahr 2002 war es Hans Werner Wunderlich, der die großartigen Konzerte, hochkarätig, teilweise international besetzt, Sprungbrett für einige große Karrieren, produzierte. In diesem Jahr feiert H. W. Wunderlich, lange Jahre Redakteur und Leiter der SWR-Jazzredaktion, Autor etlicher Tausend Jazzsendungen, vielfaches Jurymitglied, 1957 Initiator und Organisator der ersten Tournee westdeutscher Jazzmusiker in Polen, die von polnischen Intellektuellen als erster kultureller Kontakt nach dem Zweiten Weltkrieg zwischen den beiden Ländern gewürdigt wurde, und zum „ambasador polskiego jazzu“ (Botschafter des polnischen Jazz) benannt, seinen 80. Geburtstag. Die Jazzinitiative, in deren Hände er 2003 die Geschicke des Jazz im Palmengarten legte, „schenkte“ ihm zu diesem Anlass die Mühe, noch einmal ein Palmengarten-Konzert ganz nach seinem Gusto zu programmieren – und wen wundert’s, dass an diesem Abend – es ist der 296. Jazz im Palmengarten – ein polnisches Quartett allererster Güte spielt.

Olejniczak + RekDas Polish Jazz 4tet hat sich erstmals 2005 für das Bingen Jazz Festival gefunden und repräsentiert fast einzigartig, immens beeindruckend und umfassend die polnische Nachkriegsjazzgeneration. Vladislav Sendetzki, Vitold Rek und Andrzej Olejniczak haben schon Ende der 70er zusammen in der Gruppe Sun Ship, dereinst „die Band“ in Polen und offizieller Kulturexport auf diversen internationalen Festivals, gearbeitet. Heute, zusammen mit dem Schlagzeuger Janus M. Stefanski, verbinden sie Jazz-Tradition mit der polnischen Romantik (es werden etliche Ideen Frédéric Chopins aufblitzen an diesem Abend im Palmengarten) und Folklore; die vielzitierte aber stets wieder faszinierende und Innovationen hervorbringende „slawische Seele“ und Jazztiming prägen die Kompositionen von den einzelnen Mitgliedern der Gruppe, die seit Jahren nun, in Deutschland und Spanien lebend, zur renommierten europäischen Jazzszene gehören.

Es spielen
Andrzej Olejniczak (ts, ss)
Vladislav Sendetzki (p)
Vitold Rek (b)
Janusz M. Stefanski (dr)

Veranstaltungsort: Palmengarten

D.R.A.

Do., 10. August 2006
19:30

D.R.A.D.R.A. ist ein frisches, innovatives Ensemble, dessen Musik gleichzeitig humorvoll und intelligent ist. D.R.A. wurde 2002 mit
dem JazzArtAward ausgezeichnet und spielte u.a. eine umjubelten Auftritt beim 33. Deutschen Jazzfestival Frankfurt. Nicht nur das Publikum, auch die Presse, national wie international, reagiert euphorisch auf dieses Ensemble: „Ein Glücksfall für den deutschen Jazz“, gar „In Europa gibt es keinen Besseren“ schrieb die Frankfurter Rundschau, „Sensationell der Vibraphonist Christopher Dell, der es mit seinem Trio D.R.A. schaffte, neumusikalische Motivik mit struktureller Freiheit und körperbetontem Groove zu verknüpfen“, meinte die Süddeutsche Zeitung und „Full of ideas and mastery … a strong player, constantly intriguing, …“ fügte Downbeat an.
Und Christopher Dell selbst …? Wie immer ein wenig hintergründig: „Uns geht es bei dem Programm ‚Future Of The Smallest Form’ vor allem um die Ausreizung des Machbaren im Raume des klassischen Triospiels. ‚Smallest Form’ deshalb, weil sich die eigens für das Trio geschriebenen Kompositionen um extrem dichte und komprimierte Informationskerne ranken. Komplexe Takt-, Tempowechsel und irisierende Harmoniefolgen verzahnen sich, immer in Rückbezug auf die Tradition. Der Name D.R.A. steht sowohl für die Namen der Ensemblemitglieder, als auch für die Begriffe dynamic-related-action. Das bedeutet für uns die Energie der innovativ-vitalen Fluidität innerhalb der Gruppe und beschreibt damit seht gut unseren Umgang mit der moment-spezifischen Musik.“ (Dell sagte übrigens auch einmal, als wolle er die Sache auf den Punkt bringen, er möge kein Jazzgedudel …)

Seine Mitspieler jedenfalls, die als D.R.A. in diesem Jahr den ersten Darmstädter Jazzpreis erhielten, sind gewiss keine Dudler: Christian Ramond ist ein gefragter Sideman, so spielte er u. a. mit Joe Pass, Kenny Wheeler, Theo Jörgensmann, Michel Pilz oder Philip Catherine. Felix Astor war Stipendiat der Academy
of Fine Arts in Banff, Preisträger beim Henessy Jazz Search, und ist ein sehr vielseitiger Drummer, der nicht nur den Jazz sehr
gut kennt, sondern auch durch zahlreiche Studienaufenthalte in Brasilien mit der Südamerikanischen Musik gut vertraut ist.

Es spielen
Christopher Dell (vib)
Christian Ramond (b)
Felix Astor (dr)

Veranstaltungsort: Palmengarten

Omar Sosa Trio

Do., 27. Juli 2006
19:30

Omar SosaMan darf ihn ungestraft einen der besten Pianisten Kubas nennen. Geboren und aufgewachsen in Camaguey in Zentral-Kuba, studiert Omar Sosa einige Jahre Perkussionsinstrumente an der herausragenden Escuela Nacional de Musica in Havanna. Eigentlich sollte es die Marimba werden – doch mangels eines Instrumentes konzentriert er sich auf das Piano. Und Sosa nimmt alles mit, was er kriegen kann, von afro-kubanischer Folklore über europäische Klassik bis zu amerikanischem Jazz. 1993, geht er für einige Jahre nach Ecuador, in eine Region, die besonders für ein afrikanisches Instrument bekannt ist – die Marimba. Er wird erstmals auch als Produzent tätig und leitet nebenbei
sein Jazz-Ensemble Entrenoz. Sosa tourt in Afrika, Europa und Lateinamerika und erweitert ständig seinen musikalischen Horizont, auch sein musikalisches Vokabular. 1995 landet er
in San Francisco, wo die Latin-Szene ein ewiger Pool an Kreativität ist, aktuell lebt Sosa in der Stadt mit einer der interessantesten Musikszene Europas: Barcelona.

Sein erstes Album in Amerika, „Omar Omar“, erscheint 1997 und zeigt einen hochgradig virtuosen, ausgereiften Pianisten, der in geschicktester Weise seine vielfältige musikalische Sozialisation einbindet. Ob solo, im großen Ensemble oder gar im Sinfonie-Orchester: Omar Sosa überzeugt als Musiker, Komponist und Arrangeur, und er erreicht sogar mit Piano-Solo-Alben Charts-Positionen, Verkaufs-Charts, wohlgemerkt. Für „Sentir“ gewann der Pianist gar einen Grammy. Einer seiner Lehrer in Kuba war der inzwischen verstorbene Buena-Vista-Social-Club-Pianist Ruben Gonzalez. Neben Thelonious Monk (Sosas Sohn heißt Lonious…), Chopin und McCoy Tyner gehört auch Keith Jarrett zu Sosas Vorbildern, und nicht selten kann man es hören.

Es spielen
Omar Sosa (p)
Angár Diaz (perc)
Childo Tomas (e-b)

Veranstaltungsort: Palmengarten

Black Sea Trio

Do., 13. Juli 2006
19:30

Black Sea TrioSeit Mitte der 90er Jahre ist er musikalisch zu spüren, ein frischer Ostwind, der Begegnungen mit den Traditionen Osteuropas und des Balkans, für Musiker wie Publikum gleichermaßen bereichernd, durch die Jazzszene weht.

Besonders im Black Sea Trio vereinen sich nicht nur drei der besten Musiker Osteuropas, sondern auch verschiedene Stile von Folklore und Jazz. Meditative Klänge des Balkans wechseln sich ab mit raffinierten Soli und knackigen Grooves bis hin zu Deep-Purple-Zitaten. Hochkomplexe und zugleich spontane Musik – gleich einer Konversation, die bei der Sache bleibt und niemals in Belanglosigkeit ausfranst – ohne Manierismen und immer spannend.

Gitarrist Enver Izmailov, in Usbekistan aufgewachsener Tatar, zaubert mit seiner faszinierenden 10-Finger-„Tapping“-Technik Unglaubliches auf der Gitarre. Bei ihm wird die Gitarre zum Orchester, klingt mal wie ein europäisches Cembalo oder eine türkische Saz.

Anatoly Vapirov ist vor allem durch sein emotional-sinnliches und episches Spiel in der Jazz-Avantgarde der ehemaligen Sowjetunion ein Begriff. Er war der führende Saxophonist und einer der wichtigsten Komponisten der zeitgenössischen Jazzszene von Leningrad/St. Petersburg. Zusammen mit dem Perkussionisten und Filigranvirtuosen Kornel Horvath aus Ungarn wärmen sie keine Klischees auf, veranstalten keine Improvisationsringelreihen, sondern vertrauen – sensibel aufeinander hörend – einfach auf den großen musikalischen Fluss. „Der überschwängliche Jubel bulgarischer Hochzeitsmusik“, schrieb Volker Kriegel in der FAZ, „der klagende Blues des wilden Ostens, ländliche Hirtenlieder, der Sound der E-Gitarre und furios dahinjagende Rhythmen verschmelzen die Ausnahmemusikanten zu einer einzigartigen, rauschhaften Musik jenseits aller Fusionklischees…“

Es spielen
Enver Izmailov (g)
Anatoly Vapirov (saxes)
Kornel Horvath (perc)

Veranstaltungsort: Palmengarten