NACHTCAFÉ: Steffen Weber – „Lockstoff“

steffenweber

„Lockstoff“ als Titel seiner neuen CD, sei hier bitte ganz wörtlich zu nehmen, sagt der Saxophonist Steffen Weber, schlicht als ein Mittel, Menschen dazu zu bringen, gute Musik zu hören. Und wie das Jazzpodium schreibt, ist ihm das auch bestens gelungen: „Musik, die erregt und zugleich zum Relaxen einlädt, die vertraut klingt und dennoch zu überraschen vermag, der Schönheit verpflichtet ist und dennoch immer wieder Ecken und Kanten zeigt. Ein süffiger Sound, singbare Läufe auf dem so expressiv wie sensibel gespieltem Saxophon, ein melodisch und gradlinig gezupfter Bass, ein eher stützendes als treibendes Schlagzeug und eine den Sound abrundende Gitarre prägen den Charakter. Der Hörer schwimmt im Post-Bop-Mainstream mit, erfreut sich an den ausgefeilten Kompositionen, die alle aus der Feder des Jazzpreisträgers stammen, es entfalten sich lyrisch-verspielte Duos zwischen Saxophon und Gitarre, hin und wider bricht Weber dann doch aus dem Harmoniegerüst aus und rotzt ein aggressives Solo aus dem Rohr. Scholly reiht wie in ‚Nachtschwärmer‘ Noten wie Perlen in melodischen Linien auf. Und der Youngster des Quartetts, der Schlagzeuger Axel Pape, überrascht und überzeugt immer wieder mit einem flexiblen, stets den Intentionen der Solisten gerecht werdenden Trommelspiel.“

Es spielen Steffen Weber (ts); Norbert Scholly (g); Matthias Debus (b); Axel Pape (dr)
Eintritt: € 12,– / 9,– [erm. u. JIF-Mitgl.]

Theaterhaus | Schützenstraße 12 | 069. 2 99 86 10
In Zusammenarbeit mit dem Theaterhaus

CLUBJAZZ: Thore Benz – Tiefenrausch Klangkombinat

Fr., 12. März 2010
20:30

Im Januar 2007 gründete der Frankfurter Bassist Thore Benz das „Tiefenrausch Klangkombinat“ und nach einer kurzen intensiven Arbeitsphase wurde bereits im folgenden März die erste CD „funksignale“ aufgenommen, die beim Frankfurter Label Fame Music erschienen ist. In den Kompositionen von Thore Benz finden sich immer wieder Elemente der unterschiedlichsten Musikkulturen, die er im Lauf seiner vielfältigen Tätigkeiten kennenlernte. Seine groove-orientierte Spielweise entwickelte er in der Zusammenarbeit mit Musikern aus Afrika und Südamerika. Diese ist wichtiger Bestandteil seiner Kompositionen, die inspiriert sind von Acid Jazz, Hard Bop und der elektronischen Ästhetik der Club Musik. Jazzige Harmonien, ein knurrender Bass, elegante Bläser und treibende Beats schaffen eine Atmosphäre der Offenheit und kompositorischen Gestaltung – schlicht einen mitreißenden musikalischen Tiefenrausch.

Es spielen Stefanie Ruck (voc); Thore Benz (b, e-b); Pino Gambioli (saxes); Viola Engelbrecht (tb); Samuel Schroth (p, synth, fender rodes); Uta Wagner (dr)
Eintritt: € 9,– / 6,– [erm. u. JIF-Mitgl.]

Club Voltaire | Kleine Hochstraße 5 | 069. 2 9 24 08
In Zusammenarbeit mit dem Club Voltaire

XTRA: Vagant – Becker | Kunkel | Fey

Do., 1. Oktober 2009
20:30

»Stilistisch«, so schrieb Hans-Jürgen Linke in der Frankfurter Rundschau, »bewegt sich die Musik von vagant zwischen Jazz, improvisierter Musik, neuer Musik, Trance, Drum & Bass & Electronic. Kompositionsweise: polystilistisch und raffiniert … eine strenge Disziplin der Durchführung waltet in den Improvisationen.« Und Wolfram Knauer ergänze im Jazz Podium: »… kein Jazz … keine Neue Musik. Vielleicht Film-Musik für nicht existierende Filme. Ein klangvolles Rätsel! Die Auseinandersetzung dieser vier Musiker mit den Möglichkeiten des von Burkard Kunkel und Markus Becker geschriebenen musikalischen Materials zeigt eine erstaunliche improvisatorische Einfühlsamkeit, die Vertrautheit und Risikobereitschaft zugleich widerspiegelt.«
Es spielen
Markus Becker (p, powerbook g4)
Burkhard Kunkel (basset-horn)
Peter Fey (electronics)

Eintritt: € 15,– / 12,– [erm. u. JIF-Mitgl.]

Donnerstag | 1. Oktober 2009 | 20.30 h
Romanfabrik | Hanauer Landstraße 186 | Telefon 069. 4 94 09 02
In Zusammenarbeit mit der Romanfabrik

John Hollenbeck – The Claudia Quintet

Do., 27. August 2009
19:30

claudiaquintet

Der grammy-nominierte Schlagzeuger/Komponist John Hollenbeck gilt völlig zu Recht als einer der derzeit kreativsten und gefragtesten Musiker unserer Tage und mit dem „Claudia Quintet“ leitet er zudem eines der musikalisch außergewöhnlichsten Ensembles der New Yorker Szene; vielleicht das unverwechselbarste, das die Stadt derzeit zu bieten hat.

Mit einer charismatischen Gratwanderung zwischen Jazz, Minimal Music und durchaus auch Folklore zeigt die Band, wie Jazz abseits der Tradition klingen kann. Und das ­Claudia Quintet – benannt nach dem dienstältesten Fan – ist in seiner intellektuell stimulierenden Art unvergleichlich. Allein schon die ungewöhnliche Instrumentierung – neben Saxophon auch Vibraphon und Akkordeon – mit einer hochkarätigen Besetzung, erlaubt eine faszinierende Klangmischung. Was mit den harmonischen Räumen und Wolken des Klanghypnotikers Morton Feldman beginnt, kann einer nachdenklichen Folk-Melodie weichen. Die Vielfalt an subtilen rhythmischen Mustern reicht vom Minimalismus eines Steve Reich bis zum satt swingenden Groove. Aber alle Streifzüge an die Grenzen sind schrankenlos in eine breite musikalische Palette integriert, die unwiderstehlich und verführerisch ist – ein funkensprühendes Ensemble, das laut Chicago Tribune beweist, dass innovativer Jazz nicht „rau, wütend, laut, schrill oder knirschend“ sein muss, sondern „filigran, geistreich, himmlisch und strahlend lyrisch“ klingen kann.

Es spielen
John Hollenbeck (dr)
Matt Moran (vib)
Chris Speed (saxes)
Ted Reichman (acc)
Drew Gress (b)

Erdmann 3000 feat. Yves Robert

Do., 13. August 2009
19:30

3000

Daniel Erdmann stammt aus der Volkswagen-Stadt Wolfsburg und lebt mit jeweils einem Bein in Berlin und Paris. Er spielte mit Aki Takase, Ed Schuller, Conny Bauer, Gebhard Ullmann, Herb Robertson, Joe Williamson u. v. a. und ist Initiator von diversen deutsch-französischen Projekten. Als Daniel Erdmann die Band 1999 gründete, nannte sie sich noch „Erdmann 2000“. Mit dem gut überstandenen Milleniumswechsel wurde es Zeit für den Modellwechsel. Inzwischen fährt (… und fährt und fährt) die Band unter dem Namen „Erdmann 3000“ – mit stetig wachsendem Erfolg –  durch Deutschland und die Welt zu Konzerten und Festivals. Hierfür hat Erdmann eine ziemlich geniale Truppe um sich geschart: Frank Möbus (u. a. Der Rote Bereich) koloriert auf den Spuren von John Scofield, und Johannes Fink (b) und John Schröder (dr) spielen mit und gegen die Schwerkraft gängiger Jazz-Schubladen an. „Erdmann 3000“ will sich frei entfalten und die Hörer in durch gemeinsame Improvisation erschlossenes Neuland entführen. „Das Konzept der Band ist ebenso brillant wie seine Ausführung. So feinsinnig, so komplex, so locker ist diese Musik, dass sie schon fast zur Sprache wird. Zu einer Sprache, die wohl weltweit verstanden wird“, schreibt Friedrich G. Stern in der Nürnberger Zeitung. Der Posaunist Yves Robert hat immer überrascht: auf seinen Alben bei ECM, an der Seite von Jazzgiganten wie Albert Mangelsdorff oder Gil Evans und als Komponist von Filmmusik. Den Kopf stets voll neuer Projekte atmet seine Musik Rock, Funk und einfache Lieder, vor allem aber Groove, Humor und eine schier unglaubliche Energie.

Es spielen
Daniel Erdmann (ts)
Frank Möbus (g)
John Schröder (dr)
Yves Robert (tb)
Johannes Fink (b)

Vitold Rek & East West Wind feat. Jaroslaw Bester; Ramesh Shotham – Special Guest: Mihal Cohen

Di., 30. Juni 2009
19:30

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Frankfurts vielseitiger und innovativer Bassist Vitold Rek hat mit Produktionen wie „The Polish Folk Explosion“ immer wieder die Brücke zwischen Jazz und Folk geschlagen. Der Name des Projekts „East West Wind“ macht bereits deutlich, wohin die Reise diesmal geht: ein Crossover verschiedenster Kulturen und Musikstile, das Grenzen einreißt und verschiedene Traditionen miteinander verbindet. Rek, Jaroslaw Bester und Ramesh Shotham bringen Stücke mit unterschiedlichsten Wurzeln ein, verwenden dabei Themen aus vielen europäischen Ländern: polnische Folklore, Klezmer, schottische, spanische und griechische Lieder – alles indes frisch komponiert oder arrangiert. Es ist ein Festival der Stimmungen, traurig wie fröhlich, balladesk und rhythmisch zugleich, melancholisch und freudestrahlend.

Als Teenager kam der klassisch ausgebildete Rek zum Jazz, als er den großen Ray Brown zum ersten Mal hörte. Nach vielen Experimenten in den weitläufigen Gefilden des Jazz wurde er Bassist des renommierten Trompeters Tomasz Stanko. Heute ist Rek eine der bedeutendsten Stimmen in der Jazzwelt, mit eigenem Sound, der eine charakteristische Mixtur aus musikalischer Sensibilität und verblüffender Technik ist. Gleichsam verblüffend-genial auch die Wahl seiner beiden Partner – Jaroslaw Bester, Gründer der weltweit beachteten Cracow Klezmer Band, und Ramesh Shotham, der alle Register der Perkussion – einschließlich der Mund-Perkussion – zieht und den Stücken einen mitreißenden rhythmischen Teppich legt, sehr beseelt, aber immer mit einem Hauch Exotik behaftet. Zu Gast im Palmengarten ist die israelische Sängerin Michal Cohen; sie schenkt „East West Wind“ durch ihre jemenitischen Wurzeln und dem leidenschaftlichen Spiel ihres sephardischen ­Timbres eine tiefe Ebene und einmalige Atmosphäre.

Es spielen
Vitold Rek (b)
Michal Cohen (voc)
Jaroslaw Bester (acc)
Ramesh Shotham (perc)

Coryell / de Francesco / Mouzon

Do., 16. Juli 2009
19:30

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Mit diesem einzigartig besetzten Trio wird mehr als ein Stück Jazzrock-Geschichte wieder belebt – drei der kreativsten und energiegeladensten Musiker ihres Fachs haben sich (wieder)gefunden, und jeder von ihnen hat die technischen Hürden seines Instruments schon vor so vielen Jahren überwunden, dass es nicht mehr um ein Kräftemessen geht, sondern nur noch um den reinen musikalischen Ausdruck. In den Siebzigern bespielten Ausnahmegitarrist Larry Coryell und Schlagzeuger Alphonse Mouzon bereits ihre Band »Eleventh House«. Mouzon, mittlerweile sogar Schauspieler in Tom Hanks-Filmen, kam da gerade von Weather Report, und der blutjunge Coryell hat mit dem Kollegen John McLaughlin ein furioses Duo-Debut hingelegt. Dem ersetzte er zeitweise Al Di Meola im legendären Trio »Passion, Grace and Fire« um Paco de Lucia. Von diesen Virtuosen gilt Coryell als der gefühlvollste. Von John McLaughlin kommt Joey DeFrancesco und die Idee eines Gitarren-Orgel-Drum-Trios, die noch von Tony Williams stammt und sich in letzter Zeit großer Beliebtheit erfreut – da vibriert es in den Ohren gleichermaßen wie auch im Herzen.

Es spielen
Larry Coryell (g)
Joey DeFrancesco (b3 organ)
Alphonse Mouzon (dr)

Frankfurt Jazz Big Band

fjbb

Leitung: Wilson de Oliveira
Moderation: Werner Lohr
Special Guest: Enrique Telleria (bandoneon)

Das Eröffnungskonzert zum 50-jährigen Jubiläum der renommierten open-air-Konzertreihe bestreitet die nunmehr auch schon über 20 Jahre erfolgreich konzertierende Frankfurt Jazz Big Band mit Kompositionen von Wilson de Oliveira, Big Band-Arrangements von u. a. Claire Fisher und Bob Mintzer, und einem jazzbetonten Fokus auf den Tango (u. a. wird der Tango-Klassiker „La Cumparsita oder der FJBB-Klassiker „El Carpincho“ von der gleichnamigen CD zu hören sein).

Der spezielle Gast des Abends ist der Bandoneon-Spieler Enrique Telleria – aus Montevideo stammend, in Barcelona zu Hause. Der nostalgisch-laszive Ton des Instruments geht, wenn er von einem Könner vorgetragen wird, direkt in die Sinne. Telleria ist weltweit einer der bedeutendsten Bandoneonisten, der sein halbes Leben an der Seite von Astor Piazzolla Musik gemacht hat, der sich so mit dem Tango identifiziert, dass man nicht mehr von Interpretation sprechen kann, sondern von Identifikation. Beim Programm der FJBB ist er nicht nur als Instrumentalist, sondern auch als Komponist und Arrangeur vertreten.

Es spielen
Enrique Telleria (bandoneon)
Christian Ehringer, Valentin Garvié, Ralf Hesse, German Marstatt (tp)
Joe Gallardo, Allen Jacobson, Chris Perschke, Georg Maus (tb)
Stefan Koschitzki, Kristina Brodersen, Jürgen Seefelder, Thomas Bachmann, Marcus Bartelt (saxes)
Martin Sasse (p)
Martin Gjakonovski (b)
Thomas Cremer (dr, production)

Christoph Stiefel Inner Language Trio

In der Romanfabrik | Hanauer Landstraße 186 | Telefon 069. 4 94 09 02

Christoph Stiefel hat in den letzten 18 Jahren seit der Gründung des Trios in verschiedenen Besetzungen seinen eigenen, sehr persönlichen kompositorischen und pianistischen Stil entwickelt. Mit der sechsten und neuesten CD „Inner Language“ gelingt dem Trio der Durchbruch mit seinem spannenden, eigens entwickelten Konzept, basierend auf ungewohnten rhythmischen Strukturen. Die Kompositionstechnik der Isorhythmie, schon im Mittelalter angewendet, erzeugt im Gespann mit einem heutigen, modernen Jazz-Piano-Trio Sound eine faszinierende sinnliche Sogwirkung – das tranceartige Ostinato produziert unwiderstehliche rhythmische Energie und eine sowohl von konzeptioneller Klarheit als auch von spontaner Emphase geprägte Musik, die gleichzeitig komplex und einfach, intellektuell und emotional, abstrakt und sinnlich ist.
Das Trio wurde von der deutschen Zeitschrift Stereoplay als einer der zukünftigen Klavier-Trio Klassiker (zusammen mit Bobo Stenson, John Taylor, E.S.T. u. a.) ausgewählt und von der schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia in ihre Prioritäre Jazzförderung aufgenommen. „Jazzthetik“ schrieb: „… die drei Musiker treffen sich stets in dicht groovender Interaktion und Kommunikation. Die Idealvorstellung des Piano-Trios als ein Gespräch zwischen drei gleichberechtigten Partnern wird hier Wirklichkeit – ein verdammt gutes Piano-Trio!“

Es spielen
Christoph Stiefel (p)
Thomas Lähns (b)
Marcel Papaux (dr)

Eintritt: € 15,– / 12,– [erm. u. JIF-Mitgl.]

In Zusammenarbeit mit der Romanfabrik

Doppelkonzert: Verleihung des Arbeitsstipendiums Jazz der Stadt Frankfurt am Main / Contrast Quartet

Im Theaterhaus | Schützenstraße 12 | Telefon 069. 2 99 86 10

… selbstverständlich wissen wir nicht, was die Jury, der 2009 ein Mit­glied der Jazzinitiative angehört, gesprochen hat, sind aber sicher, dass der oder die Gewinner/innen des Arbeitsstipendiums, das die Stadt Frankfurt seit 1991 gut dotiert vergibt, sich nahtlos in die Reihe der richtigen Entscheidungen einreiht.
Und wie sinnvoll das Arbeitsstipendium vergeben und genutzt wird, zeigt das Contrast Quartet um den letztjährigen Preisträger Yuriy Sych. In der Basisbesetzung zwar ein Trio, indes stets durch einen wechselnden Solisten zum Quartett ergänzt, zählt das Contrast Quartet zu den bemerkenswertesten jungen Jazzformationen aus Frankfurt. Auf dem Debütalbum „Second Wave“  gesellt sich Saxofonist Benjamin Steil zu Pianist und Komponist Yuriy Sych, Tim Roth am Bass und Drummer Martin Standke. Sych schreibt komplexe Kompositionen mit klassischen Elementen, die das Quartett furios, dynamisch und expressiv interpretiert: Mit Rock’n’Roll-Verve und gerne auch Drum’n’Bass-Beats. Lebendig, lyrisch, intelligent, mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit, so dass selbst komplexeste Kompositionen nie konstruiert wirken. Und so spielen sie sich „reif für die erste Liga europäischer Jazzer“, wie das Journal Frankfurt schreibt.

Laudatio: Prof. Dr. Felix Semmelroth
Kulturdezernent der Stadt Frankfurt am Main

Es spielen
der/die Preisträger/innen sowie
Yuriy Sych (p)
Benjamin Steil (saxes)
Tim Roth (b)
Martin Standke (dr)

Eintritt: € 12,– / 9,– [erm. u. JIF-Mitgl.]

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Wissenschaft und Kunst und dem Theaterhaus