WOLFGANG SANDNER zum Argüelles-Quartett – FAZ 3.9.2016

Ausklang ohne Disharmonien
Das Argüelles Quartet beschließt „Jazz im Palmengarten“
Vielleicht lag es an dem herrlichen Spätsommerwetter, das noch einmal Lust auf Picknick im Grünen mit leichter Jazzbegleıtung machte, vielleicht auch an der nunmehr fünfzigjährigen Städtepartnerschaft zwischen Frankfurt und Birmingham, die man entsprechend musikalisch feiern wollte und auch Oberbürgermeister Peter Feldmann auf die Bühne der Konzertmuschel lockte. Möglicherweise lag es auch am guten Namen des englischen Saxophonisten Julian Argüelles, den zwar wie Daniella Baumeister vom Hessischen Rundfunk in ihrer launigen Einführung meinte niemand richtig aussprechen kann, den viele aber noch aus seiner Zeit als Mitglied der hr-Bigband in bester Erinnerung haben. Wie auch immer. Zum Abschluss der Open-Air-Saison von „Jazz im Palmengarten“ war jetzt sozusagen kein Rasenstückchen und kein Sitzplatz mehr zu vergeben. Alles war auf Kunstgenuss aus, und das zu Recht.
In den Sommermonaten gehören die von der Jazz Initiative Frankfurt veranstalteten Konzerte im Palmengarten zu den kulturellen Höhepunkten der Stadt. Der Auftritt von Julian Argüelles mit seinem Bruder Steve am Schlagzeug sowie dem jungen Pianisten Pablo Held und dem Kontrabassisten Robert bildete da keine Ausnahme, auch wenn die vier noch nie in dieser Besetzung zusammengespielt haben.
Julian Argüelles, gerade so alt wie die Partnerschaft zwischen Birmingham und Frankfurt, hat 1991 seine erste Aufnahme unter eigenem Namen herausgebracht, damals mit dem kürzlich verstorbenen Pianisten John Taylor, der lange an der Musikhochschule in Köln unterrichtete. Auch Pablo Held war dort sein Schüler, und vielleicht ist diese gemeinsame Erfahrung mit dem feinen Melodiker Taylor mit dafür verantwortlich, dass es jetzt auch keine Disharmonien zwischen den kristallklaren Klavierimprovisationen von Pablo Held und den aufgerauten Saxophonlinien Julian Argüelles gab.

Allenfalls in den melodischen Parallelführungen einiger Kompositionen war eine gewisse Vorsicht zu spüren, um nicht hinter der Phrasierung des musikalischen Partners hinterherzuhinken. Vielleicht hätte man sich von Julian Argüelles auch ein wenig mehr Rückgriff auf das kraftstrotzende Tenorsaxophon gewünscht, statt dem quengeligen, intonationsschwıerigen Sopransaxophon soviel Klang zu geben. Die rhythmische Komplexxität, die vielen unvermittelten metrıschen Wechsel stellten die vier Jazzer allerdings kaum vor Probleme. Und in den Up-Tempo-Stücken wirkte der intensive Drıve, den der mächtig swingende Bassist Robert Landfermann und der Schlagzeuger Steve Argüelles auslösten, nıcht nur auf die beiden Kollegen an Flügel und Saxophon belebend, sondern auch auf das PUblikum, das den Epílog einer gelungenen Konzertreihe mit dankbarem Applaus quittierte.
WOLFGANG SANDNER