7.500 Euro für Frankfurter Jazztalente

9. März 2012
16. Mai 2012

Bewerbungsfrist für das „Arbeitsstipendium Jazz 2012“ endet am 9. März 2012

In diesem Jahr vergibt das Dezernat Kultur und Wissenschaft das 22. Arbeitsstipendium Jazz der Stadt Frankfurt am Main. Es ist mit 7.500 Euro dotiert.

Musikerinnen und Musiker aus Frankfurt und näherer Umgebung können sich für das Arbeitsstipendium Jazz bewerben. Dabei gibt es keine Altersbegrenzung. Voraussetzung ist, dass sich die Bewerber erkennbar den verschiedenen stilistischen Formen des Jazz, einschließlich experimenteller Richtungen, zuordnen lassen. Das Arbeitsstipendium Jazz kann für jegliche Art der künstlerischen Weiterentwicklung auf diesem Gebiet wie z. B. die Teilnahme an einem Workshop oder Meisterkurs beantragt werden. Es können sich sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen bewerben. Bewerberinnen und Bewerber sollten in der Lage sein, ein Programm von mindestens dreißig Minuten live vor Publikum präsentieren zu können.
Voraussetzung für eine Bewerbung sind eine musikalische Ausbildung oder Qualifikationen mit Schwerpunkt Jazz sowie der Nachweis einer entsprechenden Praxis. Dazu muss ein ausgefüllter Bewerbungsbogen und eine CD mit maximal drei Musikstücken vorgelegt werden.
Eine unabhängige Jury entscheidet aus den eingereichten Beiträgen über die Vergabe des Arbeitsstipendium Jazz. Nicht bewerben können sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kulturdezernats der Stadt Frankfurt, Jury-Mitglieder und nahe Verwandte beider Gruppen.

Bewerbungsunterlagen können ab sofort beim Kulturamt Frankfurt am Main, Brückenstraße 3–7; 60594 Frankfurt am Main angefordert werden. Mehr Informationen gibt Irmgard Tennagels unter der Telefonnummer 069 – 212-3 84 24 oder per e-mail unter: arbeitsstipendium.jazz (ätt) stadt-frankfurt (Punkt) de.

Die Bewerbungen müssen bis zum 9. März 2012 eingegangen sein. Die Vergabe erfolgt am 16. Mai 2012 im Rahmen eines Doppelkonzertes in der Romanfabrik.

Der deutsche Jazz in kontroverser Diskussion

Man liest und hört zur Zeit ungewohnt viel über den Jazz. Dabei wird die Debatte auf den Leserbriefseiten und den Online-Foren durchaus kontrovers geführt und zeigt: es steckt noch immer eine ziemliche Lebendigkeit in der Jazz-Szene.
Das Jazzinstitut Darmstadt fasst in seinem Pressespiegel einige Stimmen zusammen und gibt einen anschaulichen Überblick:
Der Saxophonist Michael Hornstein hat in einem langen Artikel für eine führende deutsche Tageszeitung eine erhitzte Debatte unter Musikern und der deutschen Jazz-Community angefacht, in dem er behauptet, der Jazz habe in Deutschland jegliche gesellschaftliche Relevanz verloren (Süddeutsche Zeitung; der Artikel ist nicht frei online zu lesen, findet sich aber mittlerweile auch anderswo). Im Prinzip behauptet Hornstein, dass im deutschen Jazz in den letzten 20 Jahren nichts Interessantes mehr passiert sei; dass die einzigen Leute, die durch Jazz etwas verdienen würden, Journalisten, Konzertveranstalter und Jazzinstitute (!) seien; dass Musiker kaum noch Rundfunk-Jobs erhielten; dass Lehrer an Hochschulen mit Jazzabteilungen meist selbst nie professionelle Musiker gewesen seien; dass zu viele Musiker lieber Eigenkompositionen als Standards spielten; dass Musiker über 40 es schwer hätten, ein Engagement zu ergattern und auch von der öffentlichen Hand, also beispielsweise dem Goethe-Institut kaum gefördert würden; dass die Musiker sich an ästhetischen Konzepten von gestern festklammerten und seit den frühen 1990er Jahren nichts Neues mehr entwickelt hätten… und so weiter und so fort … Wie könne man da also erstaunt sein, dass das Publikum dem allem nicht mehr folge. Puh! Jede dieser Behauptungen verdient zumindest ein riesiges Fragezeichen, eigentlich aber vehementen Einspruch. Hornstein ist selbst Musiker und es wäre billig, diesen Artikel nur auf persönliche Frustrationen seinerseits zurückzuführen. Was uns viel mehr erstaunt ist: Wie kann ein so schlecht recherchierter Artikel in einer führenden deutschen Tageszeitung wie der Süddeutschen erscheinen? Etwas hat die Zeitung auf jeden Fall geschafft: Musiker melden sich zu Wort und legen Einspruch ein (Facebook), und diese Diskussion findet übrigens auch auf unserer Facebookseite statt (Facebook Jazzinstitut). Michael Rüsenberg schreibt einen offenen Brief an den Chefredakteur der Süddeutschen, Kurt Kister ( Jazz City). Hans Hielscher zeigt sich währenddessen von den heftigen Diskursen in der deutschen Jazz-Community überrascht und kontrastiert einige der kritischen Stimmen mit starken ästhetischen und öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten des deutschen Jazz aus jüngster Zeit (Spiegel Online). Sein Artikel wurde übrigens ganz knapp vor Hornsteins Tirade veröffentlicht und bezieht sich damit nicht auf diese.